Hitzeschlacht
Die Hitzeschlacht
Tagelang liegen die Temperaturen bei knapp unter 40 Grad. Die Wohnung wird zum Backofen. Und dann soll man im Homeoffice auch noch konzentriert eine Hotline bedienen. Das Leben wird zur Hitzeschlacht.
Gestern war es soweit. Ich habe meine Wohnung kaum noch ertragen können. Schon am späten Vormittag saß ich mit klatschnassem T-Shirt vor dem Computer, als mein Chef plötzlich ein außerplanmäßiges Meeting einberief.
Mein erster Gedanke: Keine Zeit zum Umziehen.
Mein zweiter Gedanke: Scheiß der Hund was drauf.
Ich werde fürs Telefonieren bezahlt und nicht dafür, im Business-Outfit vor der Webcam zu sitzen.
Irgendwann war es dann 15 Uhr. Die Raumtemperatur lag zwischen 28 und 29 Grad, draußen zeigte das Thermometer knapp 38 Grad. Feierabend bedeutete keine Erleichterung. Die Hitze blieb einfach in der Wohnung stehen.
Jetzt ist Samstagmorgen, 4:38 Uhr. Ich bin seit zwei Uhr wach. Die Wohnung ist eigentlich unbewohnbar. Ich weiß nicht mehr, ob ich aus Verzweiflung heulen oder einfach irgendetwas gegen die Wand werfen soll.
Das ist Klimawandel nicht als abstrakte Statistik, sondern als Alltag. Wer genug Geld hat, lässt sich eine Klimaanlage einbauen. Wer es sich nicht leisten kann, schwitzt weiter. So einfach ist die Realität. Solche Hitzewellen gab es zwar auch früher, aber sie werden häufiger, dauern länger und treffen uns mit einer Wucht, die man nicht mehr ignorieren kann.
Der Traum von Sanluz de Montarroyo
Mir fällt es immer schwerer, einen klaren Gedanken zu fassen. Meine Konzentration ist so fragmentiert wie Sand am Strand. Gleichzeitig wachsen diese Fluchtimpulse.
Ich möchte raus. Raus aus der Enge. Raus aus der ständigen Rechnerei. Raus aus dem Gefühl, nur eine größere Rechnung von der nächsten Katastrophe entfernt zu sein.
Ich möchte nach Sanluz de Montarroyo, jenem fiktiven Dorf in den Bergen Aragons. Es muss keine restaurierte Casa Fuerte sein. Eine kleine Casita mit einem Garten würde reichen. Eine alte Eiche, unter der ich sitzen kann. Weite statt Häuserwände. Den Horizont sehen, wenn ich morgens die Tür öffne, und nicht den nächsten Wohnblock in einem sozialen Brennpunkt.
Natürlich weiß ich, dass Sanluz nur eine Geschichte ist. Aber jede Geschichte erzählt auch etwas über die Wirklichkeit. Und meine Wirklichkeit besteht gerade aus einer Wohnung, die sich Nacht für Nacht nicht mehr abkühlt.
Jetzt ist es gleich fünf Uhr morgens. Ich sitze hier, schwitze und warte darauf, dass die Sonne wieder aufgeht.
Die Hitzeschlacht hat gerade erst begonnen.
