Isabella sitzt am Küchentisch beim Frühstück, schaut auf ihr Handy.

Aber er hat geliket

19. April 2025

Ostersamstag, 9:00 Uhr morgens, Küche, keine Kirchenglocken, gestern schon nicht

Bin noch beim Frühstück. Aufgebackene Brötchen aus der Tüte (die mit der dünnen Kruste, die sofort weich wird), eins mit Erdbeermarmelade, eins mit Honig aus dem Glas, das Mama mir letztes Mal mitgegeben hat. Kaffee schwarz, weil Milch alle ist und ich zu faul war, welche zu kaufen.

Draußen ist es still. Keine Glocken heute, gestern auch nicht. Als hätten sie einfach aufgegeben. Passt irgendwie.

Dann plötzlich „pling“. Handy auf dem Tisch vibriert. Benachrichtigung. Jemand hat deinen Kommentar gelikt.

Hab sofort geguckt. Instagram. Sergio. Mein Kommentar unter dem Dorf-Video: „Qué lugar tan encantador!“ Ein kleines rotes Herz drunter. Von ihm.

Nur gelikt. Kein Reply, kein „Gracias“, kein Emoji, nichts. Aber er hat es gelesen. Er hat meinen Namen gesehen. Isabella Hartmann hat „bezaubernd“ geschrieben, und er hat gesagt: Okay, das gefällt mir.

Ist nur Höflichkeit, klar. Wahrscheinlich liket er jeden Kommentar, der nicht Spam ist. Wahrscheinlich scrollt er durch und drückt Herz, Herz, Herz, ohne nachzudenken. Aber trotzdem. Mein Herz hat einen Schlag ausgesetzt. Hab das Handy angeguckt wie ein Geschenk, das ich nicht verdient hab. Dann wieder weggelegt. Und weiter Marmelade aufs Brötchen geschmiert, als wär nichts gewesen. Aber innerlich: Chaos.

Später noch zum Aldi. Eingekauft für heute und morgen. Eier (die braunen, die angeblich besser schmecken), Senf, Sahne, Zwiebeln, Kartoffeln, Kopfsalat, Tomaten, Gurke. Es gibt Eier in Senfsauce. Mit Salzkartoffeln und Salat. Nichts Besonderes. Aber ich mach’s. Für mich. Nicht für jemanden, der in Madrid lebt und meine fünf Wörter Spanisch geliket hat.

Jetzt sitz ich hier, die Eier kochen schon, der Senf steht offen auf der Arbeitsplatte, und ich denk: Er hat geliket. Nur geliket. Aber er hat geliket.

Vielleicht schreib ich nächstes Mal mehr. Vielleicht gar nichts. Vielleicht ist das schon genug.

Isabella

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