Die Angst geht um

Verfolgt man die jüngsten Nachrichten, kann man verstehen, dass die Angst umgeht. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung macht sich Gedanken, ob sie sich das bloße Überleben in Zukunft noch leisten können.

Die Mieten steigen unaufhörlich, Umzüge werden für viele Menschen unerschwinglich. Lebensmittel werden teurer, ein Blick auf die Preise für Treibstoffe treibt einem den Angstschweiß auf die Stirn. Diese Kosten werden wir demnächst an der Ladentheke mitfinanzieren.

Gleichzeitig bleibt vom Brutto-Einkommen immer weniger übrig.

Ein banger Blick auf den Kontostand.
168 Euro.

Davon gehen noch 80 Euro ab. Der Lohn kommt am Montag.
Also bleiben mir für die nächsten Tage 88 Euro. Und eigentlich ist das gar nicht das Problem. Ich komme damit irgendwie zurecht. Ich kann rechnen, verzichten, warten.

Das Problem ist der Gedanke dahinter:

Was passiert, wenn jetzt etwas passiert?
Ein kaputtes Elektrogerät. Eine unerwartete Rechnung. Zahnersatz. Eine Tierarztrechnung für Tya
Dann wird aus „Ich muss diesen Monat ein bisschen aufpassen“ sehr schnell „Ich weiß nicht, wie ich das bezahlen soll“.

Und genau deshalb macht mir gerade so vieles Angst.

Was mich gestern zutiefst erschüttert hat, war ein Video von Laura Dalhaus: Politikversagen auf ganzer Ebene! Zwei Krankenkassen haben höchstgerichtlich durchgesetzt, dass umfangreiche Reanimationsmaßnahmen nur noch mit der Notfallpauschale abgerechnet werden. Das Krankenhaus bekommt nur noch 50 €. Da kann man es nur noch mit der Angst bekommen.

Ich versuche mich zusammenzureißen und nicht in Verschwörungstheorien zu versteigen. Man könnte denken, dass eine globale Oligarchie die ärmere Hälfte der Menschheit ausrotten will. Die Lebensbedingungen verschlechtern sich zunehmend, man darf gespannt sein, ab wann die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt. Ich gehöre zu denen, die von Lohnzahlung zu Lohnzahlung leben. Ich komme NOCH zurecht. Aber wie lange noch? Im Grunde bin ich nur eine einzige Katastrophe, wie kaputte Elektrogeräte oder einen Zahnersatz, vom finanziellen Ende entfernt. Sparen? Wovon denn? Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt in einem Restaurant gegessen habe. Und ich habe in diesem Sommer kein einziges Eis gegessen, war in keinem Café. Dann trage ich meine Kleidung auf und frage mich wie ich die Behandlung von Tya bezahlen soll und wie es mit mir selbst weitergeht.

Mein Leben besteht zum großen Teil aus Verzicht.

Nun, geopolitisch sind wir längst in einem hybriden Krieg verstrickt. Die jüngsten Anschlagsversuche auf große Umspannwerke beweisen es. Oder wie kommt eine Sprengdrohne an den Flughafen Leipzig?

Bei mir geht die Angst um und die Wut!

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