Offenes Laptop mit Beitragsentwurf und Strickzeug

Von Wolle und Worten

Während man mit wohlüberlegten Worten im Kopf und auf dem Papier ganze Romane voller Emotionen weben kann, erschafft man mit warmen Fäden aus weicher Wolle Pullover für kalte Tage.

Diese beiden Dinge haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt.

Vor einigen Tagen habe ich angefangen, eines meiner ältesten und liebsten Hobbys wiederzubeleben: Stricken. Ich wollte meinem hektischen Alltag etwas entgegensetzen, das langsam ist. Etwas, bei dem nicht ständig etwas piept, blinkt oder erledigt werden muss.

Also habe ich mir im Fachhandel vernünftiges Strickzeug und schönes, farbenfrohes Garn besorgt – und angefangen.
Gestern war die Maschenprobe fertig. Heute beginnt die eigentliche Arbeit.

Und während ich Masche für Masche stricke, wächst nebenbei ein anderes Projekt weiter: Isabella Hartman aus Gelsenkirchen. Aus Worten sind inzwischen mehr als 250 Seiten Rohentwurf geworden.

Zwei ziemlich große Projekte also.

Das eine entsteht aus Wolle, das andere aus Worten.

Beide brauchen Zeit und lassen sich nicht erzwingen. Beide bestehen aus vielen kleinen Schritten, die für sich genommen unspektakulär erscheinen. Eine Masche. Ein Satz. Noch eine Masche. Noch eine Seite.

Und plötzlich ist da etwas, das vorher nicht existiert hat.

Das Leben wird dadurch natürlich nicht einfacher. Die alltäglichen Probleme verschwinden nicht, nur weil ich stricke oder schreibe. Tya ist alt und gebrechlich, das Geld ist knapp, Dinge gehen kaputt und müssen ersetzt werden. Letzte Woche war ein neues Handy fällig, ich brauche eine neue Brille und mein Controlling schreit laut Zeter und Mordio.

Nicht perfekt

Aber vielleicht ist genau das der Punkt.

Man muss nicht warten, bis das Leben perfekt ist, um etwas wachsen zu lassen.

Die Wolle und die Worte erinnern mich dabei an den Slogan des Hauses Encina Alta, der am Rande von Isabellas Geschichte auftaucht:

Raíces et Aqua – Wurzeln und Wasser.

Wurzeln geben Halt. Wasser bringt etwas zum Wachsen.
Und vielleicht ist das gerade ziemlich genau das, was ich brauche.

Etwas, das wächst.

Isabella wächst.
Ein Pullover wächst.
Und ich wachse auch.

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