Fiktiver Wohnblock mit Schild für Mietangebote

Miete als Armutsrisiko

Die Miete wird zur Armutsfalle

Ich weiß, dass ich nur eine von Millionen Mieterinnen und Mietern bin, die langsam an ihre finanzielle Belastungsgrenze geraten.

Als ich vor fast genau neun Jahren in meine Wohnung eingezogen bin, betrug die Warmmiete inklusive Betriebskosten und Gas 432 Euro. Heute zahle ich 633 Euro im Monat – für dieselbe Wohnung. Der Sprung von 432 € auf 633 € entspricht einer Steigerung von rund 46,5 %. Mein Einkommen ist in dieser Zeit längst nicht in gleichem Maße gestiegen.

Gestern bin ich bei einem langen Spaziergang an einem großen Neubauprojekt vorbeigekommen. Zu Hause habe ich aus Neugier nach den Mietpreisen geschaut: Rund 1.200 Euro warm für eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 62 Quadratmetern. Selbst die öffentlich geförderten Wohnungen liegen noch bei etwa 900 Euro.

Ein paar Straßen weiter wird eine Wohnung angeboten, die meiner fast entspricht: 47 Quadratmeter, zwei Zimmer, Balkon. Warmmiete: 850 Euro.

Ich frage mich ernsthaft: Wer soll das noch bezahlen?

Mein Arbeitgeber wird mein Gehalt nicht verdoppeln, nur damit ich mir ein Dach über dem Kopf leisten kann. Renten steigen ebenfalls nicht in diesem Tempo. Gleichzeitig wird immer häufiger auf Wohngeld verwiesen. Doch was hilft das, wenn die angebotenen Wohnungen bereits deutlich über den anerkannten Mietobergrenzen liegen?

Dann heißt es oft: „Dann ziehen Sie eben um.“

Aber wohin?

Bezahlbare Wohnungen werden immer seltener. Wer eine günstige Bestandswohnung aufgibt, findet oft nur noch Angebote, die mehrere hundert Euro teurer sind. Ein Umzug löst das Problem also nicht – er verschärft es häufig sogar.

Ich frage mich deshalb, wohin diese Entwicklung führen soll. Warten wir wirklich so lange, bis Millionen Menschen ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können? Soll Wohnen zu einem Luxus werden, den sich nur noch Gutverdienende leisten können?

Wohnen ist kein Konsumgut wie ein neues Smartphone oder ein Urlaub. Es ist ein Grundbedürfnis. Jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf.

Wenn die Miete zum größten Armutsrisiko wird, dann ist das längst kein individuelles Problem mehr. Dann ist es ein gesellschaftliches.

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