Anschuldigungen und die Folgen
Heute ist nicht mein Tag.
Heute Morgen wurde ich einer Handlung bezichtigt, die – wenn sie tatsächlich begangen worden wäre – eine fristlose Kündigung rechtfertigen könnte.
Eine solche Anschuldigung geht nicht spurlos an mir vorbei. Sie hat Folgen.
Dabei wäre der einfachste Weg auch der naheliegendste gewesen: erst fragen, was passiert ist, und danach urteilen. Stattdessen stand zunächst eine Abmahnung im Raum. Statt eines klärenden Gesprächs hatte ich zunächst den Eindruck, dass das Urteil bereits feststand.
Auf Einzelheiten kann und werde ich nicht eingehen. Zum einen möchte ich meinen Arbeitgeber nicht identifizierbar machen, zum anderen geht es mir gar nicht um den konkreten Vorfall. Es geht darum, was eine vorschnelle Anschuldigung mit einem Menschen macht.
Noch Stunden später war mir übel. Mir wurde kalt, obwohl draußen Sommer ist. Mein Körper reagierte, als stünde ein Tiger vor mir – obwohl objektiv längst keine Gefahr mehr bestand. Der Vorwurf war später vom Tisch. Die Stressreaktion meines Körpers nicht.
Manchmal reicht eine Entschuldigung aus, um einen Sachverhalt zu klären. Sie reicht aber nicht immer aus, um die körperliche Reaktion sofort verschwinden zu lassen. Vertrauen und Sicherheit brauchen oft länger, um wiederzukommen. Bei mir dauert es in der Regel sehr lange, bis ich wieder Vertrauen fasse.
„Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“
Diese Frage werde ich künftig mit „Alto Aragón, Spanien“ beantworten.
Nicht, weil ich glaube, dort ein perfektes Leben zu finden. Sondern weil ich heute gemerkt habe, wie sehr ich mich nach einem Ort sehne, an dem Vertrauen nicht mit einer Anschuldigung beginnt.
Der Corporate Tiger hat mir heute gezeigt, dass ich ein Ziel brauche, das außerhalb dieser Welt liegt.
