Lifestyle

Arbeiten im Homeoffice

Arbeiten im Homeoffice: Zwischen Freiheit und Isolation

Ich arbeite seit etwa zwei Jahren im Homeoffice. Seit Anfang 2026 kommt zusätzlich ein Präsenztag pro Monat dazu.

Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Ich spare mir den täglichen Weg ins Büro mit Bus und Bahn. Außerdem kann ich meine alte Huskydame Tya optimal versorgen. Gerade mit einem älteren Hund ist das Gold wert.

Es gibt aber auch einige Nachteile, die ich nicht verschweigen möchte.

Der Austausch mit Kollegen fällt weitgehend weg. Der kurze Schnack an der Kaffeemaschine, ein gemeinsames Mittagessen oder das Gespräch auf dem Flur – all das findet nicht mehr statt. Oft bekomme ich Veränderungen im Unternehmen erst spät mit.

Mein Alltag folgt inzwischen einem festen Rhythmus: Aufstehen, Tya versorgen, um 6:30 Uhr den Rechner einschalten. Ab 8:00 Uhr läuft die Hotline, um 15:00 Uhr ist Feierabend. Danach folgen Hund, Haushalt, Essen, Blog, Schreibprojekt und mein X-Account.

Von außen betrachtet klingt das effizient. In der Praxis verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit jedoch immer stärker.

Der Dienst-PC mit seinen zwei Monitoren steht schließlich nur wenige Meter entfernt. Er verschwindet nicht nach Feierabend. Schwierige Gespräche und unangenehme Telefonate begleiten mich oft noch bis in den Nachmittag oder sogar bis in den Abend. Der gefühlte Lärm hört nicht auf, obwohl das Telefon längst schweigt.

Irgendwann habe ich begonnen, diesen Stress zu kompensieren. Leider nicht besonders sinnvoll.

Ich esse.

Die Portionen werden größer. Zwischendurch wandern Chips oder andere ungesunde Snacks in den Einkaufswagen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag fehlt oft die Energie zum Kochen. Das Ergebnis: Ich werde satt, aber nicht wirklich genährt.

So entsteht ein Teufelskreis aus Stress, Bequemlichkeit und schlechtem Gewissen.

Und als wäre das nicht genug, schwebt noch eine weitere Sorge über allem.

Der Job bietet kaum Entwicklungsperspektiven. Gleichzeitig trainiert unser Auftraggeber bereits KI-Systeme für Teile der Aufgaben, die wir heute noch erledigen. Deshalb muss ich damit rechnen, dass ich wenige Jahre vor dem Renteneintritt meinen Arbeitsplatz verlieren könnte.

Für jüngere Menschen mag das ärgerlich sein.

Für jemanden über 60 kann es existenziell werden.

Jedes fehlende Arbeitsjahr bedeutet weniger Einkommen, weniger Sicherheit und weniger Rentenpunkte. Während ich also versuche, gesund zu bleiben und meinen Alltag zu organisieren, tickt im Hintergrund eine Uhr, die ich nicht anhalten kann.

Homeoffice schenkt mir Zeit und Flexibilität. Dafür bin ich dankbar.

Aber manchmal frage ich mich, ob ich nicht einen Teil dieser gewonnenen Freiheit mit Isolation, Dauerstress und Zukunftsängsten bezahle.

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