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Job und Identität

Mein Job ist heute vor allem eines: mein Sponsor. Er bezahlt meine Rechnungen, aber er ist nicht mehr das Zentrum meiner Identität.

Früher war das anders. Ich habe mich stark über meinen Beruf definiert. Ich war zuverlässig, engagiert und stolz auf meine Arbeit. Doch seit letzter Woche hat sich etwas verändert. Das Vertrauen, das ich in meinen Arbeitgeber hatte, hat einen tiefen Riss bekommen. Eine Entschuldigung kann den Moment nicht ungeschehen machen. Der Vertrauensverlust bleibt.

Am liebsten hätte ich sofort die Kündigung unterschrieben.

„Hiermit kündige ich zum nächstmöglichen Termin, da das Vertrauensverhältnis nicht mehr wiederhergestellt werden kann.“

Doch so einfach ist das nicht.

Mein Job ist mein Sponsor. Er finanziert meine Miete, Tyas Tierarztkosten, den Einkauf und alles, was meinen Alltag ermöglicht. Ohne dieses Einkommen könnte ich mein Leben nicht lange aufrechterhalten. Also bleibe ich – nicht aus Überzeugung, sondern aus Vernunft.

Die Arbeit ist anstrengend. Nach Feierabend reicht meine Energie oft nur noch für Tya, etwas zu kochen und den nächsten Tag vorzubereiten. Viel mehr ist unter der Woche häufig nicht drin.

Dann geht es nur noch ums Funktionieren.

Am Wochenende oder im Urlaub verändert sich etwas. Plötzlich habe ich Ideen. Ich schreibe, plane, wandere und werde kreativ. Dann merke ich wieder, wer ich eigentlich bin.

Unter der Woche verlerne ich beinahe das Lachen.

Das Leben

Mein Leben findet längst woanders statt.

Es beginnt, wenn ich schreibe. Wenn ich durch die Natur wandere. Wenn aus einer Idee ein Blogbeitrag wird. Manchmal auch, wenn ich mit einem Chatbot über eine fiktive Burg in Aragón diskutiere und daraus plötzlich neue Gedanken entstehen.

Genau diese Momente erinnern mich daran, wer ich bin.

Deshalb versuche ich, mir jeden Tag wenigstens ein kleines Stück davon zu bewahren. Denn wenn nur noch Arbeit, Haushalt und Schlaf übrig bleiben, verliere ich irgendwann nicht nur meine Energie, sondern auch mich selbst.

Zum Glück sehe ich schon den nächsten Schritt.

Am 19. August beginnt die Anmeldung für den Spanischkurs an der Volkshochschule. Dieses Datum steht längst in meinem Kalender. Es ist mehr als eine Kursanmeldung. Es ist ein weiterer Schritt in Richtung eines Lebens, das größer ist als mein Beruf.

Bis dahin brauche ich meinen Sponsor noch.

Aber meine Identität gehört ihm nicht mehr.

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