Ein alter Hund am Lebensende
Heute Morgen habe ich den August durchgerechnet. Nach zehn Minuten hatte ich das Gefühl, die Decke fällt mir auf den Kopf. Ich habe mir heute schon am frühen Morgen angesehen, welche Zahlungen im August fällig sind. Neben den gewohnten monatlichen Kosten für Miete, Strom, u.s.w. wird nicht nur die Hundesteuer fällig. Dazu kommen noch die GEZ, sowie nur schwer zu kalkulierende Ausgaben für Tyas Therapie. Außerdem wollte ich mich zum Spanischunterricht anmelden.
Mit den Ausgaben sind bereits zwischen 1500 und 1700 Euro verplant. Das sind über 90% meines Nettoeinkommens. Dabei habe ich noch nichts an Lebensmitteln gekauft. Es wird also ein ziemlicher Höllenritt in finanzieller Hinsicht. Den Sprachkurs habe ich gestrichen. Spanisch kann ich nächstes Jahr noch lernen. Zeit mit einem 15 Jahre alten Hund lässt sich nicht nachholen.
Noch über die Zahlen grübelnd habe ich die morgendliche Runde mit Tya gemacht. Auf dem Weg durch den Schrebergarten stolperte sie heftig, fiel hin. Ich konnte den Sturz nicht aufhalten. Tya schrie vor Schreck und Schmerz auf.
Heute Nachmittag haben wir wieder einen Termin bei der Tierärztin.
Es sind jetzt nicht mehr schlechte Tage, der Zustand hat sich verfestigt. Tya ist 15 Jahre und 7 Monate alt. Sie ist gebrechlich. Sie ist dement. Und trotzdem freut sie sich jeden Morgen auf ihren Spaziergang. Heute ist sie gefallen.
Seitdem geht mir eine Frage nicht mehr aus dem Kopf: Wann endet Fürsorge und wann beginnt das Festhalten? Wann ist das Elend so groß, dass man es nicht mehr ausreichend lindern kann? Erst dann, wenn der Hund nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen kann und unter sich gehen lässt? Erst dann, wenn er Futter und Wasser verweigert?

Es ist nicht einfach heutzutage, in allem. Es ist alles so teuer geworden und vorallem die Tierarztkosten. Damals bei meinem Rocky ein 40 Kilo Collie, konnte ich die Ärztin kommen lassen und es war noch bezahlbar und da wsren die Gesamtkosten schon immens. Als Rocky mir, mit knapp 14 gezeigt hat, ich möchte nicht mehr, war an einem Sonntag, hab ich die Ärztin angerufen und sie ist gekommen und hat ihn dann über die Regenbogenbrücke geleitet. Ich hab ihn dabei im Arm gehalten. Leben mit einem alten Hund ist nicht einfach, aber für die Seele wertvoll, finde ich.
Wir sitzen mitten in der Inflation, die Preise explodieren, nur mein Lohn steigt deshalb nicht. Gestern Abend war ich noch mit Tya bei der Tierärztin. Sie bekommt ihre Medis jetzt in einem kürzeren Intervall, nicht mehr alle vier Wochen, sondern alle 3,5. Das werde ich spüren, aber ich werde sie deshalb nicht einschläfern lassen, solange sie noch Lebenswillen zeigt. Da wird eben an allem anderen gespart.