Zimmer während der Renovierung Wände sind vorgestrichen, Möbel abgedeckt
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Das Gesetz der Anziehung

Gestern Abend lag ich schon im Bett, als ich begann durch meinen YouTube-Feed zu scrollen. Es dauerte nicht lange, bis mir die ersten Videos zum Thema Manifestation und dem Gesetz der Anziehung angezeigt wurden. Das Leben könnte ein Ponyhof sein, wenn man nur das richtige Mindset hätte und positive Gedanken dazu.

Es klingt einladend. Ändere deine Gedanken und das Leben wird sich automatisch anpassen. Wenn es nicht klappt, bist du angeblich nur noch nicht bereit und musst härter daran arbeiten. Ach ja – ein paar Seminare können auch nicht schaden. Die Content-Creator wollen schließlich von etwas leben, und die Methode klingt ja so angenehm simpel. All diese Angebote haben die gleiche Zielgruppe: Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen verzweifelt sind! Sie bieten eine scheinbar einfache Methode zur Veränderung. Die Problemfelder reichen von geringen finanziellen Mitteln, über Beziehungsprobleme bis hin zu ernsten Gesundheitskrisen. Du bist pleite? Manifestiere dir ein Vermögen! Du bist einsam? Manifestiere dir die ideale Beziehung! Du bist schwer krank? Ja, warum hast du dir das manifestiert?

Grundsätzlich geht es um einen Kreis aus Sein, Machen und Haben, der wieder zum Sein zurückführt. Beispielsweise hat eine wohlhabende Person Vermögen, gilt als reich, investiert gewinnbringend – und hat am Ende noch mehr Vermögen. Das Gesetz der Anziehung will dir einreden, dass man sich das Sein gedanklich herbeifantasieren kann. So soll man sich reich fühlen, wenn man zum Beispiel in einer winzigen Schrottwohnung haust. Mit diesem Gefühl soll sich dann das Vermögen einstellen. Angeblich folgt die Energie der Aufmerksamkeit – so zumindest das Versprechen. Nun, manche versuchen auf diese Weise einen fulminanten Lottogewinn zu „manifestieren“. Rate! Es klappt nicht. Das Fazit der manifestations-Coaches lautet dann, dass du deine Energie in Richtung Armut geschickt hast. Also bist du selbst schuld.

Das Gesetz der Anziehung hat dabei nichts mit gebotener Eigenverantwortung zu tun – im Gegenteil: Es ist eine perfide Falle. Wie kommt man zu einem angenehmen Lebensstil? Man konsumiert Waren und Dienstleistungen. Eine Wohnung in besserer Lage und mit besserer Ausstattung lässt sich finden und mieten. Möbel werden auf Kredit gekauft. Wunderbar, du hast dir dein Traumleben manifestiert. Allerdings wird die Rechnung irgendwann präsentiert. All das muss bezahlt werden. Wer nur mal kurzfristig eine äußere Hülle manifestiert, wird am Ende brutal in die Realität zurückgeholt. Im schlimmsten Fall landet man dann in der Insolvenz.

Ein verantwortungsbewusster Mensch hätte zuerst überlegt, was finanziell möglich ist – und wie sich das Einkommen langfristig erhöhen lässt. Damit hätte er/sie/es sich neue Möglichkeiten eröffnet. Der Weg ist länger und schwerer.

Ein Beispiel aus meinem eigenen Leben: ich habe mein Schlafzimmer selbst renoviert. Das Ergebnis ist handwerklich nicht perfekt, aber ich habe es mir so schön gemacht, wie es mir möglich war. In knapp drei Wochen bekomme ich einen neuen Kleiderschrank geliefert. Es ist kein Luxus-Designer-Schrank, aber er entspricht dem, was ich mir erspart habe. Der nächste Schritt: ein neues Bett und dann je nach Bedarf eine neue Kommode oder ein Sessel als Kleiderablage.

Schöner wohnen – solide, realistisch und ohne böses Erwachen.

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