Fernstudium – ja oder nein
Fernstudium oder Schreiben?
Kennst du dieses Gefühl? Du scrollst abends durch irgendwelche Weiterbildungsportale, siehst einen Kurs wie „Grundlagen kaufmännisches Wissen“, denkst kurz „Könnte ja nützlich sein“, und im nächsten Moment trifft dich die Erkenntnis wie der Sprühregen eines sich wild schüttelnden, nassen Hundes:
Das ist nicht mein Weg.
Das ist der Weg von jemand anderem. Von der Version von mir, die noch glaubt, man müsse sich mit Zertifikaten hochhangeln, um endlich ernst genommen zu werden. Aber ich bin keine Sachbearbeiterin in spe. Ich bin die Hotlinetante ohne Befugnisse – und vor allem: Ich will viel mehr schreiben als Telefonate führen. Ein Fernstudium bringt mich nicht aus dem Hamsterrad.
Letzte Woche habe ich genau dort „Nein“ gesagt. Und es fühlte sich nicht wie Verzicht an. Es fühlte sich wie Befreiung an.
Mein Alltag
Und so sieht der Alltag aus, der eigentlich schon voll ist, bevor ich überhaupt ans Schreiben denke:
Morgens um 4:50 Uhr: Wecker. Der Hund starrt mich an, als hätte ich ihm versprochen, die Welt zu erobern – stattdessen erobern wir erst mal den Schrebergarten. Um 6:30 Uhr im Büro (oder Home-Office-Küchentisch): „Guten Tag, Hotline XY, wie kann ich Ihnen helfen?“ – und die nächsten acht Stunden drehen sich um PV-Anlagen, Unterlagen vergessen, Rechnungen nicht angekommen, „Aber im Internet stand doch…“. Keine Entscheidungsbefugnis, nur Endlosschleifen und geduldige Erklärungen. Nachmittags 16 Uhr: Hund wieder raus, kochen (meist irgendwas Schnelles), Wäsche falten, vielleicht noch eine Folge Serie als Belohnung. Und dann? Die Lernplattform öffnen? Die 12–15 Stunden pro Woche für „Grundlagen kaufmännisches Wissen“ irgendwo reinquetschen?
Ich hab’s mir mal ausgerechnet: Nach Abzug von Schlaf (hoffentlich 7 Stunden), Job (8 Stunden), Hund/Alltagskram (nochmal locker 4–5 Stunden) bleiben mir vielleicht 3–4 Stunden „frei“. Und von denen soll ich dann noch kreativ und fokussiert schreiben? Blogartikel? Buchkapitel? Nee, sorry. Da bleibt nur noch Energie für Scrollen auf dem Sofa oder dafür, dass mir die Augen zufallen, bevor ich den Laptop zuklappe.
Der Anspruch
Viele Leute machen das trotzdem. Beruf + Fernstudium + Familie/Hund/Haushalt. Und ja, manche schaffen es wirklich – Respekt! Aber die meisten Geschichten, die ich kenne (und selbst erlebt habe bei Freund*innen), enden mit Erschöpfung, schlechter Laune, weniger Zeit für die wirklich wichtigen Menschen und irgendwann der Frage: „Wofür eigentlich?“
Weil: Man muss nicht alles schaffen. Das ist kein Scheitern. Das ist erwachsen werden.
Früher dachte ich, mehr Zertifikate = mehr Wert = endlich raus aus der Hotline-Falle. Aber je länger ich drüber nachdenke, desto klarer wird: Dieses spezielle Fernstudium würde mich nicht rausheben. Es würde mich tiefer reinpressen – in eine Rolle, die ich gar nicht mehr will. Stattdessen würde es mir die Ressourcen rauben, die ich brauche, um genau das zu tun, was mich antreibt: Schreiben. Geschichten erzählen. Meinen eigenen Weg bauen.
Deshalb hab ich stattdessen etwas anderes gewählt: Fokus.
Nur noch zwei große Dinge neben dem Job und dem Hund:
- Den Blog wachsen lassen – regelmäßig, ehrlich, mit Herz.
- Das Buchprojekt vorantreiben – Schritt für Schritt, ohne Druck, aber mit Freude.
Weniger Projekte. Mehr Tiefe. Kein Multitasking-Chaos, bei dem alles nur halb fertig wird und ich mich ständig schlecht fühle. Sondern Monofokus auf das, was mich wirklich lebendig macht.
Und wisst ihr was? Seit ich das entschieden habe, schreibe ich mehr, besser und vor allem glücklicher. Der Druck ist weg. Die innere Stimme, die ständig „Du musst doch was Richtiges machen“ flüstert, ist leiser geworden. Stattdessen höre ich jetzt öfter: „Das fühlt sich richtig an.“
Fazit in Sachen Fernstudium
Das Fernstudium ist nicht meins.
Stattdessen wähle ich jeden Tag aufs Neue: Schreiben. Weil ein fertiges Kapitel mehr wert ist als ein Zertifikat in der Schublade und weil ein Blogartikel, der jemanden zum Schmunzeln oder Nachdenken bringt, mich glücklicher macht als jede Excel-Tabelle. Weil Fokus keine Schwäche ist – sondern Superkraft.
Mein kleiner Anti-Überforderungs-Trick seitdem:
- Ich hab eine „Nicht jetzt“-Liste: Alles, was mich ablenkt (neue Kurse, unnötige Apps, Perfektionismus), landet da erst mal hin.
- Ich plane nur 3–4 feste Schreib-Slots pro Woche – und schütze sie wie Heiligtümer.
- Und ich feiere die kleinen Wins: Ein Absatz mehr? Ein Like von jemandem, der sich angesprochen fühlt? Das zählt.
Vielleicht hilft dir das ja auch. Probier’s aus. Und wenn’s nicht passt – sag einfach Nein. Es fühlt sich verdammt gut an.
Hast du schon mal so eine Entscheidung getroffen? Ich bin gespannt, wie es bei dir war…


