Isabella in der Küche beim Sonntagsfrühstück mit Marmeladenbrötchen und Kaffee. Sie liest auf dem Handy.

„Te gusta cocinar?“ – Und plötzlich will ich Spanisch lernen

26.Mai 2025

Sonntag, 10:45 Uhr, Küche, aufgeräumt, alt, verwohnt (der Kühlschrank summt immer noch wie ’n alter Traktor, aber der Tisch ist frei, nur Tasse, Teller und Handy)

Hab länger geschlafen als sonst. Bis halb zehn. Kein Wecker, kein Druck. Bin erst mal liegen geblieben und hab an die Decke gestarrt, wo der Riss immer länger wird. Dann aufgestanden, geduscht, Haare nass gelassen, weil’s eh warm wird heute. Kaffee gekocht – der billige aus’m Aldi, aber mit ’nem Schuss Milch schmeckt er fast wie im Café. Hab noch zwei Aufbackbrötchen gefunden, die fast abgelaufen waren. In den Ofen geschmissen, mit Butter und Erdbeermarmelade bestrichen. Honig ist alle. Hab mir trotzdem eingeredet, dass es Luxus ist. Zwei Brötchen, die nicht matschig sind. Kleine Siege am Sonntagmorgen.

Dann hab ich das Handy angemacht. Benachrichtigungen. Instagram zuerst. Und da war’s: Neuer Kommentar unter dem Auflauf-Foto. Von Sergio. Gestern Abend um 23:47 Uhr geschrieben: „¿Te gusta cocinar?“ Mit so ’nem kleinen Fragezeichen am Ende, als wär’s echt neugierig. Hab’s dreimal gelesen. Dann hab ich’s übersetzt: Kochst du gern? Der Typ fragt mich, ob ich gern koche. Mich. Die mit dem Curryfleck-Sofa und dem Kredit für die Urne vom Vater.

Hab erst mal nur gestarrt. Dann hat Sandra geschrieben, per WhatsApp, mit drei Ausrufezeichen: „VERLIEB DICH NICHT!!!“ Und dann noch so’n lachendes Emoji und „Der ist heiß, aber der wohnt in Spanien, Mädel!“ Hab zurückgeschrieben: „Keine Panik. Kann mich eh nicht mit ihm unterhalten.“ Und sie: „Genau. Aber guck mal, wie süß das ist. 😏“

Ist es süß? Keine Ahnung. Aber die Sprache… die ist schön. Die Wörter rollen so weich, auch wenn ich sie nur mit Google verstehe. „Te gusta cocinar.“ Klingt wie Musik. Würd ich gern können. Richtig können. Nicht nur „hola“ und „gracias“ und die paar Sätze, die ich mir abquäle. Aber ich bin wahrscheinlich zu dumm dafür. Zu langsam. Zu Ruhrpott. Die lernen das bestimmt als Kind, einfach so, beim Spielen und Essen und Reden. Ich sitz hier mit meinem Kaffee und merk, dass ich nicht mal weiß, wie man „Ich koche gern, aber meistens nur für mich“ richtig sagt, ohne dass es sich blöd anhört.

Hab trotzdem geantwortet. Auf Spanisch, mit Translate-Hilfe: „Sí, me gusta cocinar. Pero solo cosas sencillas. ¿Y tú?“ (Ja, ich koche gern. Aber nur einfache Sachen. Und du?) Hab’s abgeschickt, bevor ich’s mir wieder ausreden konnte. Jetzt wart ich. Wahrscheinlich likt er’s nur wieder. Oder gar nix. Aber ich hab’s gemacht. Hab gefragt. Kleiner Schritt.

Die Brötchen sind kalt geworden. Ich ess sie trotzdem. Der Kaffee ist auch fast leer. Draußen scheint die Sonne durch’s nackte Fenster. Die Frau gegenüber hat noch nicht gewunken. Vielleicht schläft sie länger. Oder sie hat Besuch. Keine Ahnung.

Vielleicht such ich mir heute ’ne App für Spanisch. Duolingo oder so. Nur so zum Spaß. Nicht weil ich denk, dass Sergio und ich irgendwann… nee. Das ist Quatsch. Aber die Sprache ist schön. Und ich will nicht immer nur die Deutsche mit den kaputten Sätzen sein.

Isabella

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert