verlassene Haltestelle im Abendlicht
Tya

Warten lernen (ohne wahnsinnig zu werden) – Teil 2: Der Frühaufsteher

Es ist kurz nach 4 Uhr morgens. Tya beschließt, dass der Tag jetzt beginnt. Es ist ihr egal, dass ich nur höchstens sechs Stunden geschlafen habe und arbeiten muss oder mich einfach ausruhen möchte. Sie tigert hechelnd durch die Wohnung und das Tappen ihrer Pfoten auf dem Boden gibt meinem Schlaf den Rest.

Heute ist wieder so ein Tag. Aufstehen am Sonntag um 4:15 Uhr. Um halb sieben habe ich schon eine große Runde mit ihr gemacht, gefrühstückt, Vokabeln gelernt und ein paar Absätze an meinem Roman Sanluz de Montarroyo geschrieben. Ganz ehrlich? Ich kann nicht mehr. Dieser Hund treibt mich zur Verzweiflung.

Ich warte darauf, dass sie diese Phase überwindet und abends zur Ruhe kommt, um dann zu schlafen bis der Wecker klingelt. Sie hat ein ausgewachsenes Alter Hund Syndrom. Eine Blasenentzündung wurde von der Tierärztin ausgeschlossen, sie bekommt ein Schmerzmittel für die Gelenke. Nur die Uhr lesen kann sie nicht.

Am härtesten sind jedoch die Erinnerungen an meine Mutter, die Tya mit ihrem Verhalten weckt. Meine Mutter litt seit 2009 an Alzheimer. Das Zeitgefühl hatte sie schon vor ihrem Umzug ins Pflegeheim verloren. Sie hatte auch diese Unruhe, die sie nicht schlafen ließ. Einmal gipfelte diese Unruhe in dem Vorwurf an mich , ich habe die Sonne manipuliert, damit sie nachts scheine.

Jetzt erlebe ich das mit meinem Hund noch einmal.
Und nebenan tobt ein Kleinkind durch die Wohnung, dass mich die Geräusche an ein trabendes Pony im Wohnzimmer erinnern.

Ich muss warten. Auch diese Phase geht vorbei!

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