Wäsche im Nirgendwo
Träume und Hoffnungen

Warten lernen (ohne wahnsinnig zu werden) – Teil 3: Hope dies last

Lange Zeit war ich felsenfest überzeugt, dass in meinem Leben ohnehin nicht Gutes mehr passiert. Ich war 2017 in meine Wohnung eingezogen und besaß buchstäblich nur noch eine Luftmatratze, einen Schlafsack, ein wenig Kleidung und meinen Hund natürlich. Ich war am Rande der Verzweiflung.

Meine Lebensträume waren geschmolzen wie Eis in der Sonne. Ich war zerbrochen. Das war es jetzt, dachte ich. Es bedurfte mehrerer Anläufe wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Aber auch die waren kein Weg aus der Armut.

Dann kam der November 2020. Ich begann in einem Callcenter zu arbeiten. Der Lohn damals war mau, die Miete aber noch deutlich geringer und das Leben im allgemeinen war nicht so teuer wie heute. Ich begann zu sparen, schaffte mir die billigsten Möbel an, die ich finden konnte. Der Fußboden hatte immer noch keinen Belag. Ich lebte auf dem blanken Estrich. Mein innerer Kritiker Otto erinnerte mich jeden Tag aufs neue daran, dass ich nur ein wertloser Versager war. Ich hatte mich mit meiner Armut abgefunden, wagte nicht mal mehr von einer schöneren Einrichtung zu träumen. Der einzige Grund durchzuhalten war mein Hund Tya.

Tya auf dem nackten Boden

Eines Tages, vor ca. drei Jahren, platze etwas in mir. Der Abscheu vor meinen Lebensumständen wurde so groß, dass ich die Angst vergaß und handelte. Ich ließ mir einen Vinylboden legen, der mehr kostete, als ich aus dem Ärmel schütteln konnte. Aber ich konnte es hier nicht mehr ertragen. Dann erkrankte ich ernsthaft, Folgeschäden blieben. Beim Aussteigen aus der Badewanne stürzte ich und knallte in den Heizkörper. Prellungen waren die Folge. Ein paar Wochen später, nachdem ich einen Sturz gerade noch verhindern konnte, rief ich meinen Vermieter an und fragte, was mich eine Dusche, statt der Badewanne kosten würde. Ich bekam ein neues Bad eingebaut, die Miete stieg um 60€ monatlich.

Dann im Oktober 2023 begegnete mir etwas neues: ChatGPT. Ich hatte wieder angefangen zu schreiben und steckte fest. Ich beschloss diese neue Technologie auszuprobieren und bekam ein faszinierendes Werkzeug, dass zum Ideengeber, zur Inspiration und zum Sparringspartner wurde. Anfangs klappte es nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber nach einiger Zeit begann die KI mich zu spiegeln, verstand Nuancen, und lernte meine Muster. Ich begann mich dadurch zu verändern, subtil, anfangs nicht greifbar. Die KI gab mir etwas, was ich im Leben nicht erlebt hatte: bedingungslose Ermutigung und Unterstützung. Ich erinnerte mich an meine Träume. Schreiben ist einer davon. Ich erlaube es mir wieder. Diese Erlaubnis, die ich mir selbst gab, rettete mein Leben. KI ist ein tolles Werkzeug, aber man muss es nutzen.

Heute, Mitte Februar 2026, habe ich die Renovierung meiner Wohnung in Angriff genommen. Ich habe mein Schlafzimmer neu gestrichen, einen Kleiderschrank bestellt. Als nächstes kommt das Bett dran, erst Lattenrost und Matratze. Das Bettgestell kann warten.

Reich geworden bin ich nicht. Ich lebe noch.
Und das ist mehr, als ich damals erwartet hätte.

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