Tya liegend vor dem Bett
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Ein alter Hund, Schlaflosigkeit und Existenzangst

Ein alter Hund, schlaflose Nächte und die Angst vor dem Nichts

Heute Morgen um kurz nach vier war es wieder so weit.

Tya, meine alte Hündin, hat entschieden, dass die Nacht vorbei ist. Sie stand hechelnd im Flur, Durst in den Augen, ein bisschen Hunger im Bauch und ganz viel Unruhe in den Beinen. Ich kenne das Geräusch inzwischen besser als meinen Wecker: dieses leise, aber unnachgiebige Tapsen auf dem Laminat, gefolgt vom charakteristischen Hecheln, das sagt: „Ich bin wach – und du jetzt auch.“

Um Halb fünf war ich draußen. Um sechs saßen wir wieder zu Hause, ich mit Kaffee, sie mit ihrem Frühstück. Eigentlich könnte ein entspannter Homeoffice-Tag beginnen. Eigentlich.

Denn morgen ist Präsenztag. Der monatliche Termin, an dem alle ins Büro müssen. Und genau da beginnt das Karussell in meinem Kopf sich zu drehen – erst langsam, dann immer schneller.

Tya ist alt. Sie kann nicht 10 Stunden allein bleiben. Das wäre keine Frage von „darf ich das machen?“, sondern von Tierquälerei. Punkt. Ich habe kein Auto. Also Bus und U-Bahn. Mit einer großen Tasche für Mini-PC, Tastur, Headset, Maus, Kabelsalat. Einer zweiten für Futter, Wasser, Decke, Kotbeutel, Medikamente. Und dann noch Tya selbst – in den Bus bugsieren, an der nicht-barrierefreien Haltestelle, beim Umstieg in eine hoffentlich nicht rappelvolle U-Bahn. Ich sehe die Blicke schon vor mir. Die genervten Seufzer. Die Kommentare.

Mit meinem früheren Chef hatte ich das Thema mal geklärt. Er verstand, dass das für mich nicht machbar ist – und dass meine Arbeit in der Hotline sowieso komplett ortsunabhängig ist. Ich bin die Einzige dort. Präsenz bringt niemandem etwas. Außer vielleicht der Statistik.

Aber jetzt ist der alte Chef weg. Neue Leitung, neuer Ton. Die Mail mit dem Präsenztag liegt im Postfach wie eine kleine, scharfe Drohung. Was, wenn ich nicht komme? Was, wenn sie das als Ignorieren einer Arbeitsanweisung werten? Abmahnung. Und dann – die Gedanken rasen: Kündigung. Selbst verschuldet. Kein Anspruch auf ALG I, Sperrzeit, Existenzangst pur.

Ich merke, wie mein Atem schneller wird. Wie sich die Kehle zuschnürt. Wie die Gedanken immer absurder werden: Was, wenn ich den Job verliere? Was, wenn wir die Miete nicht mehr zahlen? Was, wenn Tya dann doch ins Tierheim müsste, weil ich keine Zeit und kein Geld mehr habe?

Ich hasse dieses Karussell. Ich hasse es, dass ein alter Hund, der mich jeden Tag durch die dunkelsten Stunden begleitet hat, plötzlich zum Risikofaktor wird. Dass ein Tier, das mir Halt gibt, jetzt der Grund für Panik ist.

Und gleichzeitig weiß ich: Ich würde es wieder genauso machen. Tya aufnehmen. Sie pflegen. Sie nicht allein lassen. Auch wenn das bedeutet, dass ich um vier Uhr aufstehe, auch wenn das bedeutet, dass ich manchmal wie ein Zombie durch den Tag gehe, auch wenn das bedeutet, dass ich jetzt hier sitze und Angst habe.

Vielleicht rede ich heute mit dem neuen Chef. Vielleicht gibt es eine Lösung. Vielleicht ist die Präsenzpflicht gar nicht so in Stein gemeißelt, wie sie sich gerade anfühlt. Vielleicht.

Aber heute Morgen, um kurz nach vier, als Tya mich aus dem Bett geholt hat, da war es erst mal nur wir zwei. Eine alte Hündin und ein Mensch, der versucht, nicht unterzugehen.

Und irgendwie schaffen wir das schon. Schritt für Schritt. Gassirunde für Gassirunde. Kaffee für Kaffee.

Habt ihr das auch? Diese Momente, in denen alles auf einmal zu viel wird – Job, Hund, Zukunft, einfach alles? Schreibt gerne in die Kommentare. Manchmal hilft es schon, zu wissen, dass man nicht allein damit ist.

Andrea
mit einer sehr müden, aber sehr geliebten Tya an meiner Seite

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